Archive for Mai, 2008

Gespenster

Sonntag, Mai 25th, 2008

„Was verstehen Sie unter „Schaffen?“, war kürzlich eine Frage eines Internetbesuchers, der diese Formel auf einer unserer Internetseiten fand. Nach kurzem Überlegen übermittelte ich ihm die Antwort: “Ich schaffe mir meine Gespenster selbst!. „Und wenn es geht, so setze ich am tiefsten Punkt des Ozean an, noch tiefer zu graben“. Dort also, wo der äußerste Druck am stärksten wirkt. „Denn, wo die Gefahr am Größten ist, da wächst das Rettende auch“ so Nietzsche. Eine Erfahrung, die sich mit der meinen absolut deckt. Das Erschaffen setzt immer Bewusstheit voraus. Denn jeder ist ,ob er will oder nicht, von einem Heer an Gespenstern umgeben: „Barockorgeln, Kommunismus, Goebbels als Humanist (Reichling), die Materie, die Idee, Freiheit und Demokratie, die Geister(s)-Wissenschaften, Naturwissenschaften und so weiter“. Also alles Konstruktionen, die uns den Konstruktivismus sehr nahe bringen. Dieser allerdings bringt das Handicap mit sich, dass dann absolut kein fester Grund mehr unter den Füssen ist. Wo also wäre dann Gott? Nichts zum Fingernägelkauen für hobelnde und beratende Zünftler. Das entscheidende Merkmal ist die zu erhöhende Bewusstheit, die sich in größerem „Verständnis“ äußert, was früher (oder auch heute in der Hermeneutik) „Wissen“ genannt wurde, und was heute mit dem Wissen von technischen und wissenschaftlichen Fakten verwechselt wird. Da entsteht nämlich nur eine begrenzt erweiterte Bewusstheit. Dank dem Computer können wir sehr gut von faktischem Wissen und menschlichem Verständnis unterscheiden. Der Banalität der Fakten entkommen ins Reich, in dem die Dinge tanzen, weil die Musik stimmig ist, das soll die Aufgabe sein. Und ist im Übrigen ein beinahe “lutherischer” Ansatzpunkt: “ins Reich kommen”.

Pfingsten

Montag, Mai 12th, 2008

Pfingsten =der fünfzigste Tag, Entsendung des Hl. Geistes. Ich weiß nicht, ob sich je schon einer Gedanken gemacht hat, was das bedeuten soll. Fünfzig, so meine Interpretation heißt 7×7 plus 1, für Eingeweihte: 7 Metamorphosen und eine Nacht musst du dich gedulden um die ersehnte Weisheit zu empfangen, mit der du in der Sprache reden kannst, die nachhaltig wirkt. Andere schweigen danach für immer. Das ist teilweise tiefsinnige hellenische und erst später jüdische und dann christliche Symbolik. Will sagen, auch untergegangene Kulturen wirken in ihren wesentlichsten Kräften weiter. Unsere heutige Psychologie redet da von Biorhythmus, was vor 3000 Jahren im griechischen Mythos längst gesagt war. “An die Wissenschaften muss man genauso glauben, wie an die Glaubensinhalte von Religionen”, habe ich vor kurzem einem befreundetem Organisten gesagt, der die Formel auf seinen unmittelbaren Bereich bejahen konnte. Aber eigentlich meine ich speziell die Naturwissenschaften; und am Ende meine ich den Glauben an Raum und Zeit, der für mich irrsinniger ist, als der Glaube an die Jungfrau Maria. (Besonders der von den Kosmologen A.Linde und A.Vilenkin postulierte Glaube an die Polykosmologie und Gegenwelten). Entgegen dem christlichen Sendungsgebot an die Nachfolge, das am heutigen Pfingsttag durch den Hl.Geist geoffenbart wurde, war bei den Phytagoreern nicht das Sprechen in neuer Sprache, sondern das Schweigen für sieben Jahre, unabdingbare Vorraussetzung, um als Eingeweihter dazuzugehören. Beide handelten trotz gegensätzlicher Handlungsweise auf göttlichen Befehl. Darauf kommt es an. Leider aber nicht absolut: denn jeder Selbstmörder, der sich in Bagdad unter Menschenmengen in die Luft sprengt, meint im Auftrag eines göttlichen Befehls zu handeln.